Das Massaker von Dremlevo soll nicht in die Wikipedia | #74 Wikihausen

Dremlevo ist die erste von 600 kleinen Ortschaften in Weißrussland, die während der „Operation Dreieck“ der Wehrmacht dem Erdboden gleich gemacht wurden. Polizeikräfte aus Nazideutschland richteten unter den Bewohnern ein unglaubliches Massaker an. Die Einwohner wurden systematisch ermordet.

Der Zeitpunkt war auch ein 11. September. Der 11.9.1942.

Sie kennen diese Ereignisse nicht? Kein Wunder, diese Geschichte ist im Westen gänzlich unbekannt. Ein Wikipedianer hat von dieser Geschichte erfahren und diese Ereignisse in einen Wikipediaartikel geschrieben. Raten Sie, was danach passierte.

Dirk Pohlmann machte sich auf die Spur der Ereignisse in der Wikipedia.

Dokumente zum Video:

wikihausen74-Dremlevo2.pdf

Wikipediaartikel zu Dremlevo – Finale Version 21.07.2022.PDF

19 thoughts on “Das Massaker von Dremlevo soll nicht in die Wikipedia | #74 Wikihausen”

  1. von oben:
    „die während der „Operation Dreieck“ der Wehrmacht dem Erdboden gleich gemacht wurden. Polizeikräfte aus Nazideutschland richteten unter den Bewohnern ein unglaubliches Massaker an.“
    wollen mal festhalten. „Die Wehrmacht“ soll das Dorf dem Erdboden zerstört haben. Allerdings waren Polizeikräfte nicht der Wehrmacht unterstellt. Einfach mal richtig die damaligen Strukturen recherchieren „herr“ pohlmännchen und fiedler.
    Dazu, ein Wikipedianer hat von der Geschichte erfahren. Wir wissen alle was Wikipedianer sind, wikihausen hat oft genug darauf hingewiesen. Warum ignoriert ihr das?
    Natürlich weil das Narrativ dieser „Geschichte“ dem immernoch grünling pohlmann gefällt. Relotius läßt grüßen.

    1. Der Vorwurf der Ungenauigkeit gegen die Autoren mag stehenbleiben. Die Polizeibataillone unterstanden dem HSSPF (Höheren SS- und Polizeiführer) des Besatzungesgebiets, nicht dem OKH oder der Hgr Mitte. Allerdings war die Wehrmacht, das OKH wie die Stäbe in Weissrussland, nicht nur wohlinformierter Mitwisser, sondern durchaus auch aktiver Mittäter. Christian Gerlach (in Kalkulierte Morde, S. 1104ff.) erwähnt detailliert, wie Angehörige des Widerstands des 20. Juli in das Mordgeschehen verwickelt waren, und das betraf das gesamte Offizierskorps, vor allem die Heeresgruppe Mitte, die im übrigen schon 1941 ihre eigenen Massenmorde, vor allem an Kriegsgefangenen, verübt und beim Rückzug ab 1943/44 fortgesetzt hat.

      Der pöbelnde Ton des Kommentars riecht im Übrigen stark bräunlich. Tut es weh, wenn an diese Verbrechen erinnert wird?

    2. Ruhig Brauner. Wer lesen kann, ist klar im Vorteil.

      Z.B. das zum Einstieg, um was es geht:

      VERBRECHEN DER WEHRMACHT DIMENSIONEN DES VERNICHTUNGSKRIEGES

      https://docplayer.org/11410093-Verbrechen-der-wehrmacht-dimensionen-des-vernichtungskrieges-1941-1944.html

      Es ist „Unternehmen Dreieck“ benannt. Und polizeiliche Mitarbeit wird genannt.

      Und da nochmal:

      „Kontaminierte Landschaften“ : Die Ordnungspolizei als Holocaust-Akteur nach dem Überfall auf die Sowjetunion im Sommer 1941

      https://www.yadvashem.org/de/education/newsletter/juni-2021/thomas-kohler.html

  2. Nun, ich bin etwas gespalten in Bezug auf diese Folge und das behandelte Thema darin:

    Zum einem sehe ich den „kurzzeitig“ eingestellten Artikel des „Neulings“ in der Form kritisch,
    da dieser durch die verwendeten Begrifflichkeiten wie „Henker“, „Nazis“ und „Wehrmacht“
    schon die „Handschrift“ des weißrussischen Historiker durchblicken laeßt, also sehr „allgemein“
    gehalten ist, waehrend bei den ermordeten Weißrussen pedantisch sogar die Namen aufgeführt
    sind.
    Ehrlich gesagt haette ich als „Verantwortlicher“ in der deutschen Wikipedia den Artikel so auch nicht
    freigeschaltet, da dieser doch recht „einseitig“ Taeter und Opfer behandelt und mit Begriffen recht
    lasch und dazu noch sehr „allgemein“ umgeht (s.o).

    Nichtsdestrotrotz waere es mit einer Überarbeitung und ggf. Unterstützung erfahrener Wikitaner
    bei der Ausarbeitung des Artikels gut gewesen, anstatt ihn sofort zu löschen und das Thema zu
    „sperren“.

    Desweiteren bitte ich die beiden Progatonisten sich etwas naeher mit der Struktur und Aufbau
    der Wehrmacht zu beschaeftigen und nicht alles „in einen Sack zu tun“ und oben draufhauen.
    Nicht alles, was damals eine Uniform trug, waren automatisch „Wehrmachtssoldaten“.
    İnsbesondere die Polizeibatallione hatten von der Befehlskette und Struktur her nichts mit der
    Wehrmacht zu tun, genauso wie die SS und Waffen-SS wieder zwei verschiedene Dinge sind,
    die man nicht „über einen Kamm scheren“ sollte…

  3. Natürlich gibt es so etwas wie Tutoren in der Wikipedia, Itti schreibt da in ihrem Statement absoluten Unsinn. Vermutlich will sie ihrem Administratorenkollegen als Buddy beispringen. In Wikipedia gibt es das Mentorenprogramm. Kann man hier ersehen.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Mentorenprogramm

    Anderer Namen für eine ähnliche Tätigkeit, nämlich Neulingen beispringen und ihnen beim Schreiben in der Wikipedia zu helfen.

  4. Hallo! Bitte überdenkt noch einmal, ob ihr in Zukunft weiter animierte Hintergründe verwendet. Videos werden stark komprimiert. Animationen verhindern eine gute Kompression. Es führt zum Ruckeln beim Streamen. Auch im Download wird das Video hierdurch größer. Ein gleichbleibender Hintergrund kann einfach encodiert werden. Es spart Bandbreite.
    Seit der Einführung des animierten Hintergrundes ruckeln eure Videos bei mir. :tired_face:

  5. In Christian Gerlachs Buch Kalkulierte Morde. Die deutsche Wirtschafts- und Vernichtungspolitik in Weißrußland 1941 bis 194, Hamburg 1999, wird das Massaker von Dremlowo und dreier weiterer Dörfer auf S.941 erwähnt, als Teil der Vernichtungskampagne des SD und der Polizeibataillone. Meines Wissens ist das die erste und einzige Erwähnung durch einen deutschen Historiker (Gerlach hat an der TU Berlin promoviert und lehrt nun Zeitgeschichte in Bern. Zu den Polizeibataillonen gibt es unter anderem die Arbeit von Christopher Browning Ganz normale Männer: Das Reserve-Polizeibataillon 101 und die „Endlösung“ in Polen, Hamburg (Neuauflage) 2021, das allerdings die Aktivitäten in Weissrussland und anderen Gebieten der UdSSR nicht behandelt. Dort wurden verstärkt auch baltische und vor allem ukrainische Henker mit einbezogen, unter anderem der neben Bandera als „Held der Ukraine“ firmierende OUN-Anführer Roman Schuchtjewitsch.

    Zu Bandera empfehle ich dringend die Biographie des deutsch-polnischen Historikers Grzegorz Rossoliński-Liebe Stepan Bandera: The Life and Afterlife of a Ukrainian Nationalist: Fascism, Genocide, and Cult, Stuttgart 2014. Rossolinski-Liebe lehrt an der TU Berlin im Bereich Neuere und Osteuropäische Geschichte. Er weist unter anderem nach, dass das Programm der OUN, dargelegt in Banderas Programm „Kämpfe und Aktivitäten“ explizit die Vernichtung „feindlicher Minderheiten“ in der Ukraine, „Russen, Juden und Polen“, beinhaltete. Bandera war in Polen als Terrorist wegen Mordes verurteilt und inhaftiert, und von den Nazis befreit. Er koordinierte telefonisch in Kontakt mit seinem Unterführer Stetko (vom besetzten Polen aus) die Massaker an Juden in Lemberg am 30. Juni/1. Juli 1941.

  6. über diese sachen konnte schon seit dem erscheinen von christopher brownings buch „ganz normale männer“
    bescheid gewußt werden. wie dort im osten der gute deutsche polizist die sau rausgelassen hat will natürlich bis heute kein mensch wahrhaben. gruß reiner waldow

  7. S. g. Herren!
    Ich habe gerade Ihren Beitrag angesehen und kann eine Erklärung dafür anbieten, warum man diese Dinge unterdrücken will. Von Dremlevo haben Sie richtig nach Chatyn kombiniert, aber beim Hauptmann Grigori Wasjura gestoppt. Hier liegt der Fehler! Wasjura ist das Beispiel eines Ukrainers, der auf Verdacht nach 1945 wenige Jahre im Gulag war, aber bald begnadigt wurde, wie viele andere ukrainischen Kollaborateure auch. es fehlte damals wegen der Kriegsverluste an Männern. Als er spät (!) enttarnt wurde, wollte die Prawda während seines Prozesses eine Artikelserie veröffentlichen, aber die ukrainische KP unter der Führung des Mitglieds des sowjetischen Politbüros in Moskau, Schterbitzky, wollte diesen letzten Kriegsverbrecherprozess ohne großes Aufsehen geschehen lassen. Ich habe im Internet dazu schon einmal ein Zitat eines ehemaligen sowjetischen Staatsanwalts gefunden. Demnach wusste Schterbitzky offenbar damals seit längerem, dass die ukrainische KP stark nationalistisch unterwandert war. Das sollte sich auch rasch nach dem Zerfall der UdSSR erweisen. Schterbitzky selbst ersetzte in einer Art Parteirevolte – ich glaube 1972 – seinen Vorgänger, der zu große Sympathie mit den Nationalisten im ukrainischen Untergrund und generell mit national gesinnten Ukrainern hatte. Schon damals waren die Bezüge auf die UPA/OUN, Bandera, Schuschkewitsch usw. beträchtlich. Schterbitzky sagte 1985, ein großer Prozess würde sich sehr negativ auf die Stimmung in Teilen der ukrainischen Gesellschaft auswirken. Bemerkungen zu nationalistischen Strömungen in der Ukraine, etwa in Teilen des Lehrkörpers an den Schulen und Universitäten bereits in den 1970er und 1980er Jahren hat dieses Frühjahr auch der Politkommentator Yuriy Podoljak(a) (ich bin wegen der Schreibweise unsicher) in einem Interview getätigt. Die ganze Thematik würde meiner Meinung nach die Dimension, Weiterzucht und Hege des mit dem NS-Regime kollaboriert habenden ukrainischen Nationalismus während des Kalten Krieges, in den Vordergrund rücken können. Daher gibt es sicher gute Gründe für eine gewisse Seite, dies jetzt in diesem Informationskrieg zu unterdrücken. Eine Befassung mit diesem Thema könnte die derzeitige Hilfsbereitschaft in Deutschland massiv dämpfen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Martin Schaller
    PS: Buchtipp insbes. zu Weißrussland, den Sie sicher kennen: Paul Kohl, Der Krieg der deutschen Wehrmacht und der Polizei 1941-1944. Sowjetische Überlebende berichten.

  8. Empfehlenswert zum Thema Vernichtungskrieg in der UdSSR durch die Wehrmacht, Waffen-SS und Einsatzgruppen ist der sowjetische Film von Elem Klimov „Komm und Sieh“ anno 1985 (in der DDR als „Geh und Sieh“ betitelt gewesen). Er handelt von der Einsatzgruppe B, die vor allem in Belarus ihr schändliches Vernichtungswerk unter der euphemistischen Rechtfertigung Partisanenbekämpfung begangen hat. Einsatzgruppen waren zu diesem Zweck u.a. aus Sicherheitspolizei, SD, Waffen-SS und Wehrmacht zusammengestellt worden.

  9. wikipedia deutsch ist katastrophal – englisch ist marginal besser, da ist frueher mehr stehen geblieben. schon vor ca 5-10 jahren hat das woke begonnen
    (ich hatte lange auch auf wikipedia deutsch geschrieben bis ich auch von itti / kopilot gekickt wurde)

    ich wuerde wichtiges immer auch auf englisch erstellen und dann halt nicht nur auf wikipedia, sondern andern wikipedia alternativen wie zb infogalactic etc damits nicht ganz umsonst ist .. am besten auch auf einer eigenen plattform oder versuchen dass dies als online artikel auf zb nachdenkseiten zu veroeffentlichen

    ich selbst schreibe ja hier, weil alles was so ins detail geht auf youtube unmoeglich ist zu kommentieren
    – wird bei mir immer geloescht respektive ich kriege einen shadowban fuer den kommentar – nur oberflaechliches bleibt stehen .. (shadowban erkenne ich nur wenn ich alternativ den kommentar nicht ohne login suche ..)

    zum thema – ja dieser deutsch generalplan ost (erweiterung) war besonders unappetitlich – interssant dass das keine soldaten sondern polizisten waren (ich nehme aber an dass auch soldaten spaeter involviert wurden) – ich hatte das auch schon so gehoert

    .. war wahrscheinlich der grund wieso die russische seite im gegenzug so unerbaermlich war .. zuerst wurden ja die deutschen soldaten als befreier von den russen vor dem kommunismus gefeiert .. diese ethnischen saeuberungen sauerei war sicher das problem das drehen von urspuenglicher sympathie zur vernichtung der deutschen soldaten im weg von moskau nach stalingrad ..

    ich bin mir generell ueber gelehrte geschichtsschreibung extrem unsicher siehe auch chnopfloch – verlorene geschichte

    ( die schoenschreibung von massakern die im krieg scheinbar immer wieder passieren auf allen seiten gibt mir sehr zu denken .. das problem der objektivierung / entmenschlichung .. bandera / geehlen / bnd etc. .. ich vermute auch dass die methoden nicht originaer entwickelt wurden sondern sehr alt sind – das ganze satanistische zeugs kommt mir da hoch .. siehe auch meike buettner / hoellenleben etc .. die wikipedia mag ja gar dass satanistischen parallelen klar werden .. )

    1. da ist mir das „nicht“ verrutscht 🙂 .. ganz am schluss .. sollte heissen „mag ja gar nicht dass“ .. und oben beim shadowban „den kommentar ohne login suche“ ..

  10. Frage an die Spezialisten Pohlmann und Fiedler:
    Kann man (bei all den gegebenen Tendenzen und belastbaren Hinweisen) ausschließen das ein oder mehrere Geheimdienste bei Wikipedia „Geburtshelfer“ waren? Und heute vielleicht der oder die „guten Patenonkel“ sind?

    1. Auf diese Frage kann ich nur mit einer Einschätzung antworten und kann ihnen dazu aber keine handfesten Quellen geben. Ich halte es für möglich, dass die Wikipedia gezielt von Diensten oder Thinktanks für den Transport von Propaganda erstellt wurde.

  11. Дремлёво – Je nach Transkription (englisch, deutsch) wird es eher Dremljowo, Dremliowo oder engl. Dremliovo geschrieben. Die die nicht eindeutige Transkiption ist ein Problem, aber auch eine Chance, einen W.-Artikel unter einer leicht veränderten Schreibweise neu einzustellen.

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